Den Glauben an Gott Vater Sohn und Heiligen Geist heute gemeinsam bekennen - 1200 Jahre Aachener Synode 809 - Internationale theologische Fachtagung

Prof. Dr. Michael Böhnke; Mitarbeiter: Oliver Humberg, MA

Im Jahr 809 fand in Aachen ein fränkisches Konzil statt. In ihm wurde die Einfügung des Filioque in die lateinische Fassung des Glaubensbekenntnisses von Nikaia und Konstantinopel (NC) in Reaktion auf die Auseinandersetzungen zwischen fränkischen und griechischen Mönchen im Sabas Kloster in Jerusalem 807/808, dem ersten Ost-West Konflikt um das Filioque im liturgisch verwendeten Glaubensbekenntnis, theologisch begründet. Der griechische Mönch Johannes hatte in Jerusalem das Filioque im Bekenntnis der fränkischen Mönche ebenda als häretisch bezeichnet. Der Streit wurde über Rom an den Hof Karls des Großen getragen und war Anlass für das Konzil. Damit steht zum ersten Mal der Wortlaut des NC im Mittelpunkt der Diskussion. Das Decretum Aquisgranense de processione spiritus sancti, das auf der Basis der Testimoniensammlung Arns von Salzburg (H. Willjung) in Aachen 809 erstellt worden ist und die inhaltliche Angemessenheit des Filioque erweisen wollte, gilt als "erstes literarisches Erzeugnis der Filioque-Kontroverse" (P. Gemeinhardt). Die dogmatische Filioquefrage und auch die katechetisch motivierte Einfügung des Filioquezusatzes in das NC sowie der liturgische Gebrauch des NC gingen dem Dekret kirchen- und theologiegeschichtlich voraus. In Aachen hielt man den Hervorgang des Geistes aus dem Vater und dem Sohn, basierend auf einer bestimmten hermeneutischen Rezeption der Vätertradition, für theologisch begründet und infolgedessen auch die entsprechende Textgestalt für korrekt, weil der rechte Glaube im rechten Bekenntnis seinen Niederschlag finden sollte und zur Wahrung des rechten Glaubens das Glaubensbekenntnis durch interpretierende Zusätze eindeutiger gefasst werden dürfte. In Rom hielt Papst Leo III., dem 810 die Ergebnisse der Aachener Synode überbracht und erläutert wurden, es für theologisch begründet und wollte doch gleichzeitig das NC ohne Filioque beibehalten, da der Text des Glaubensbekenntnisses nicht verändert werden sollte.

1200 Jahre nach dem Konzil von Aachen soll von diesem Ort ein Versuch der theologischen und ökumenischen Verständigung ausgehen. Ihn durch eine theologiegeschichtliche, systematisch theologische und ökumenisch orientierte Relecture des Decretum Aquisgranense im Dialog mit zu vollziehen.
(Weitere Informationen unter: http://www.kath-theologie.uni-wuppertal.de/index.php?id=476)

Laufzeit: 23.09.2009-26.09.2009

Drittmittelgeber:

DFG, VDD, Rektorat

Veröffentlichungen:

  • Michael Böhnke, Die Ursprungsbeziehung zwischen Vater und Geist. Über die Bedeutung eines Denkens in Komplementarität für die ökumenische Hermeneutik, in: Cath 59 (2005), 305-325.
  • Michael Böhnke, Die Wahrheit der ökonomischen Trinität. Versuch über das Axiom der Identität von ökonomischer und immanenter Trinität in ökumenischer Absicht, in: Theologie und Glaube 96 (2006), 262-289.
  • Michael Böhnke, Die komplexe Wirklichkeit der Kirche als pneumatologisches Problem, in: Cath 61 (2007), 264-278.
  • Michael Böhnke, Assaad Kattan, Bernd Oberdorfer (Hg.), Den Glauben an Gott den Vater, Sohn und Heiligen Geist heute gemeinsam bekennen. Beiträge zur Internationalen Fachtagung aus Anlass des 1200. Jahrestages des Konzils von Aachen 809, Freiburg-Basel-Wien (erscheint Frühjahr 2011).